{"id":1417,"date":"2018-06-24T11:56:33","date_gmt":"2018-06-24T09:56:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.olgakrouk.de\/?p=1417"},"modified":"2018-06-24T12:00:41","modified_gmt":"2018-06-24T10:00:41","slug":"vergiss-mein-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.olgakrouk.de\/?p=1417","title":{"rendered":"Vergiss mein nicht"},"content":{"rendered":"<p><em>Eine Kurzgeschichte von <a href=\"https:\/\/www.olgakrouk.de\">Olga A. Krouk<\/a><\/em><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1418 size-medium\" src=\"https:\/\/www.olgakrouk.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Nymphe-191x300.jpg\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.olgakrouk.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Nymphe-191x300.jpg 191w, https:\/\/www.olgakrouk.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Nymphe-134x210.jpg 134w, https:\/\/www.olgakrouk.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Nymphe.jpg 381w\" sizes=\"auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/><br \/>\nYves de la Chevallerie hatte vor niemandem Angst. Zumal sogar seine Freunde sich in die Hosen machten, wenn sie ihm auf einer schwach beleuchteten Stra\u00dfe begegneten. Doch jetzt, als er mit seiner Angebeteten vor dem Baumh\u00e4uschen der zuk\u00fcnftigen Schwiegereltern stand, war ihm mulmig zumute.<\/p>\n<p>Lori stellte sich auf die Zehenspitzen und zupfte am Revers seiner wei\u00dfen Paradeuniform. \u201eNa los, Krieger! Du schaffst das!\u201c<\/p>\n<p>Viel zu gut wusste sie, wie Yves sich gerade f\u00fchlte. Es war nicht lange her, dass er sie der Chevallerie &#8211; Familie vorgestellt hatte. Ihre spitzen Ohren gl\u00fchten immer noch bei dem Gedanken daran, wie sie zu seiner Mutter \u201eMonsieur\u201c und zu seinem Vater \u201eMadame\u201c gesagt hatte.<\/p>\n<p>Yves umschloss ihre schmale Taille mit beiden H\u00e4nden und hob die kleine Baumnymphe in die Luft. Er h\u00e4tte das auch mit einer Hand meistern k\u00f6nnen \u2013 mit ihrer zierlichen Gestalt war sie leicht wie eine Feder.<\/p>\n<p>\u201eJe t\u2019aime, ma petite nymphe\u201c, fl\u00fcsterte er.<\/p>\n<p>Lori lachte und verwuschelte sein dichtes, schwarzes Haar. Sie mochte es, wenn er mit ihr in seiner Muttersprache redete.<\/p>\n<p>\u201eIch liebe dich auch, Flieger\u201c, sagte sie und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen.<\/p>\n<p>Yves stellte seine Liebste auf den Boden und \u00f6ffnete ihr die T\u00fcr. Sie huschte hinein, er zw\u00e4ngte sich hinter ihr durch den T\u00fcrrahmen.<\/p>\n<p>Loris Eltern sa\u00dfen auf dem Sofa und schauten gerade die 356. Folge von \u201eGute Zwerge, Schlechte Zwerge\u201c. Mama Pia, eine angesehene Elefantenfu\u00df-Dryade mit der Figur eines gut gegangenen Hefeteigs, h\u00f6rte die T\u00fcr quietschen und blickte auf. Sie \u00f6ffnete gerade den Mund zu einem Willkommensgru\u00df, da hatte ihr Hirn die vom Sehnerv \u00fcbermittelte Botschaft analysiert. Ihr freundliches Hamsterb\u00e4ckchengesicht entgleiste zu einer entsetzten Grimasse, und Pia bem\u00fchte sich krampfhaft, Schrei und Brechreiz gleichzeitig zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Mit seinem massiven K\u00f6rper f\u00fcllte der Gast etwa die H\u00e4lfte des Zimmers aus. Die Dielen st\u00f6hnten unter seinem Gewicht. Das Baumh\u00e4uschen schwankte bedenklich und drohte bei einer unvorsichtigen Bewegung abzust\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Papa Norwin, d\u00fcrr wie sein Sch\u00fctzling Bambus, versteckte sich hinter der aktuellen Ausgabe von \u201eSch\u00f6ner D\u00fcngen\u201c. Seine H\u00e4nde zitterten und lie\u00dfen die Bl\u00e4tter rascheln.<\/p>\n<p>\u201eVielleicht geht er wieder, wenn wir uns nicht bewegen?\u201c, murmelte er.<\/p>\n<p>Lori strich sich eine ihrer kirschbl\u00fctenfarbenen Haarstr\u00e4hnen aus der Stirn und wackelte mit ihren l\u00e4nglichen Ohren wie ein Reh.<\/p>\n<p>\u201eMam? Pa? Darf ich vorstellen? Das ist Yves de la Chevallerie.\u201c Sie suchte Yves\u2019 Hand. \u201eWir wollen heiraten.\u201c<\/p>\n<p>Mama Pia stie\u00df ein erschrockenes \u201eHicks\u201c aus.<\/p>\n<p>Papa Norwin sp\u00e4hte \u00fcber den Magazinrand und schluckte vernehmlich.<\/p>\n<p>\u201eA-als du uns von deiner interkulturellen Liebe erz\u00e4hlt hast, habe ich mir was anderes vorgestellt. Einen Elfen. Oder im schlimmsten Fall einen Druiden. Aber das ist doch ein \u2013 ein &#8211; Hicks!\u201c<\/p>\n<p>Der Schluckauf scheint hier ansteckend zu sein, dachte Yves. Zum Gl\u00fcck war er gegen alles M\u00f6gliche geimpft, von Heuschnupfen bis zur Vogelgrippe. Auch wenn letztere ihn kaum erwischen konnte, hatte seine Regierung veranlasst, alles, was fliegt, dagegen zu immunisieren.<\/p>\n<p>\u201eEin Ork\u201c, beendete Lori den Satz ihrer Mutter voller Stolz. Ihre lavendelfarbenen Augen strahlten. \u201eUnd nicht irgendein Ork, sondern ein Oberstleutnant der Orkischen Luftwaffe!\u201c<\/p>\n<p>Mama Pia verschluckte sich an einem weiteren \u201eHicks!\u201c. Der Brechreiz wich endg\u00fcltig blankem Entsetzen.<\/p>\n<p>\u201eUnd was soll bittesch\u00f6n diese Beziehung hervorbringen?\u201c, fauchte sie und stemmte ihre H\u00e4nde in die dicken H\u00fcften. \u201eKleine auberginefarbene Warzenmonster? Wirklich, die Welt ist schon h\u00e4sslich genug!\u201c<\/p>\n<p>Yves senkte den Blick. Mama Pia hatte es noch nett ausgedr\u00fcckt. Alle Anderen behaupteten, seine Fresse lie\u00dfe Blumen welken und Milch s\u00e4uern.<\/p>\n<p>Lori stellte sich sch\u00fctzend vor ihn.<\/p>\n<p>\u201eWas ist nur los mit euch? Seine Eltern waren um einiges toleranter, als ihr! Im Ch\u00e2teau de l\u2019Air habe ich mich sofort zuhause gef\u00fchlt!\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber hat der Sternmagier nicht vorausgesagt, dass du Narziss heiraten wirst? Sein Vater ist \u00fcbrigens ein Flussgott!\u201c, wisperte Mama Pia.<\/p>\n<p>\u201eSternmagier!\u201c, Lori sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eWas wei\u00df schon dieser alte Knacker! Als Yves und ich uns auf dem Heavy Metal Konzert gesehen haben, hat es zwischen uns geknistert. Mama, da lag Magie in der Luft! Magie &#8211; und Heavy Metal.\u201c<\/p>\n<p>\u201eLori, wir leben in der magischen Dimension! Hier liegt immer Magie in der Luft!\u201c Pia \u00a0schn\u00fcffelte und verzog das Gesicht. \u201eAuch wenn sie nicht immer wohl riecht, die Luft.\u201c<\/p>\n<p>Papa Norwin wurde rot.<\/p>\n<p>\u201eTschuldigung\u201c, murmelte er und rieb besch\u00e4mt seine Finger aneinander. \u201eDas war keine Magie, das war ich.\u201c<\/p>\n<p>Seine Worte gingen im Krach der aufspringenden Eingangst\u00fcr unter. Ins Wohnzimmer st\u00fcrzte Narziss. Sein rotes Ohr deutete darauf hin, dass er damit drau\u00dfen am Schl\u00fcsselloch geklebt hatte.<\/p>\n<p>\u201eDas ist doch pervers!\u201c, schrie er und fummelte hektisch am J\u00e4gerg\u00fcrtel mit der riesigen Silberschnalle. Zu seinem Smoking wirkte das St\u00fcck mehr als fehl am Platz. \u201eWie kann man einen solchen Fleischklumpen lieben? Schaut doch seine Krallen an!\u201c Narziss sch\u00fcttelte sich demonstrativ. \u201eDer wei\u00df nicht mal, was das Wort Manik\u00fcre bedeutet!\u201c<\/p>\n<p>Lori hob eine Augenbraue und betrachtete den Sch\u00f6nling von Kopf bis Fu\u00df. Wegen seiner himmelblauen Augen, blonden Locken und porzellanglatten Haut war Narziss schon drei Mal nacheinander vom Magazin \u201eNo People\u201c zur Sexiest Creature Alive gew\u00e4hlt worden. Narziss sch\u00fcrte seine mit Lipgloss \u00fcberzogenen Lippen und quietschte aus Leibeskr\u00e4ften: \u201eDer sieht ja selbst in der Galauniform noch Schei\u00dfe aus!\u201c<\/p>\n<p>\u201eMach sitz!\u201c, donnerte Yves, dass die W\u00e4nde des Baumh\u00e4uschens erbebten. Er mochte es nicht, wenn er laut werden musste, aber dieses Gekreische hielt man ja im Kopf nicht aus! Und ob er auch dagegen geimpft worden war, wusste er nicht mehr so genau.<\/p>\n<p>Narziss blickte Yves hasserf\u00fcllt an. \u201eAch so? Mein Schatzssss!\u201c, zischte er, packte Lori am Arm und dr\u00fcckte auf seine G\u00fcrtelschnalle. \u201eSie ist mein Schatz, kapiert?\u201c<\/p>\n<p>Yves st\u00fcrmte auf ihn zu, doch seine Finger griffen ins Leere. Narziss und Lori l\u00f6sten sich in einem silbernen Licht auf und feiner Glitzerstaub rieselte zu Boden. Mama Pia stemmte sich aus dem Sofa hoch.<\/p>\n<p>\u201eNein! Gib mir meine Kleine zur\u00fcck!\u201c, ihre Stimme bebte. \u201eLori! Ohne dich werden doch alle Kirschb\u00e4ume eingehen!\u201c<\/p>\n<p>Papa Norwin nahm sie in den Arm. Eng umschlungen sahen sie wie zwei B\u00e4ume aus, die einander st\u00fctzten.<\/p>\n<p>Yves schluckte schwer. So elend hatte er sich zuletzt gef\u00fchlt, als f\u00fcnf Bergtrolle seinen kleinen Lindwurm Fleur in Schaschlik verwandelt hatten. Was Yves im Gegenzug aus den f\u00fcnf Bergtrollen gemacht hatte, stand am n\u00e4chsten Tag auf den Titelseiten der Klatschpresse.<\/p>\n<p>\u201eIch finde sie. Die Kirschb\u00e4ume werden wieder bl\u00fchen. Versprochen.\u201c<\/p>\n<p>Sein Jet parkte auf der Wiese. An der Scheibe klebte schon ein quietschorangener Werbezettel \u201eThor liebt dich\u201c von der Sekte, die genau wusste, wo der gro\u00dfe Hammer hing.<\/p>\n<p>Yves zerkn\u00fcllte das Blatt, kletterte ins Cockpit und fuhr die Systeme hoch. Die Turbinen heulten auf und lie\u00dfen Zweige, Bl\u00e4tter und Graszwerge vom Boden durch die Luft wirbeln. Der D\u00fcsenj\u00e4ger erzitterte und stieg senkrecht in die H\u00f6he.<\/p>\n<p>Yves setzte sein Headset auf und gab Loris magische Signatur ins Navigationssystem ein. Auf dem Display erschien ein blinkender roter Punkt, der sich schnell von Yves eigener Position entfernte. Narziss hatte sich tats\u00e4chlich auf ein Flugzeug gebeamt.<\/p>\n<p>Der Jet sauste in einer scharfen Kurve in den Himmel. Er durchbrach den Wolkenschleier und raste durch die unendliche blaue Weite.<\/p>\n<p>\u201eAchtung!\u201c, meldete sich die mechanische Stimme des Systems. \u201eSie verlassen die magische Dimension! Die Umkehr wird dringend empfohlen!\u201c<\/p>\n<p>Statt Umkehr gab Yves noch mehr Schub. Der D\u00fcsenj\u00e4ger st\u00fcrzte in ein unsichtbares Loch und begann zu trudeln. Erst wenige Meter vor der Meeresoberfl\u00e4che gelang es Yves, das Flugzeug abzufangen. Er atmete auf und wischte sich den Schwei\u00df von der Stirn.<\/p>\n<p>\u201eOha. Tarneinrichtung aktivieren. Den Planeten scannen.\u201c<\/p>\n<p>\u201ePlanet Erde\u201c, knisterte es aus den Kopfh\u00f6rern. \u201eAbsolut magielos. Dominiert von einer affenartigen Spezies namens Homo Sapiens.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa super!\u201c, knurrte Yves. \u201ePlanet der Affen. Das hat gerade noch gefehlt.\u201c<\/p>\n<p>Unter ihm sausten Werften, H\u00e4user und Stra\u00dfen vorbei. \u00dcber dem blinkenden Punkt erschien die \u00dcberschrift: Deutschland-Hamburg &#8211; Planten un Blomen.<\/p>\n<p>\u201eDann suchen wir mal einen Parkplatz\u201c, murmelte Yves.<\/p>\n<p>Das, was den seltsamen Namen Deutschland &#8211; Hamburg &#8211; Planten un Blomen trug, entpuppte sich als eine Parkanlage. Unsichtbar f\u00fcr jede nichtmagische Spezies, landete der D\u00fcsenj\u00e4ger auf einer Wiese. Yves steckte sich das Kommunikationsger\u00e4t ins Ohr, l\u00f6ste das Navigationssystem aus der Halterung und stieg aus. Sein rechter Fu\u00df tappte in eine weiche, braune Masse.<\/p>\n<p>\u201eAh, Kacke!\u201c, fluchte er.<\/p>\n<p>\u201eKorrekt\u201c, best\u00e4tigte das System nach der chemischen Analyse. Es machte fr\u00f6hlich \u201eTadaaa!\u201c, und auf dem Display erschienen zur\u00fccklaufende Zahlen: 5:00, 4:59, 4:58 \u2026<\/p>\n<p>Yves schnaubte. \u201eWas soll der Countdown?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Magielosigkeit dieser Welt l\u00f6scht das Erinnerungsverm\u00f6gen jedes magischen Wesens aus. Nur der G\u00fcrtel von Orion kann den Ged\u00e4chtnisverlust verhindern.\u201c<\/p>\n<p>Er sp\u00fcrte, wie kalter Schwei\u00df seinen R\u00fccken hinunter lief. Erst jetzt begriff er, wof\u00fcr Narziss, der das Wort \u201eJ\u00e4ger\u201c nicht mal buchstabieren konnte, den J\u00e4gerg\u00fcrtel ben\u00f6tigte.<\/p>\n<p>\u201eKurtschstak tru haratschip?\u201c<\/p>\n<p>Yves zuckte zusammen und fuhr herum. Hinter ihm stand ein minderj\u00e4hriges Affenindividuum und zeigte ein grenzdebiles L\u00e4cheln.<\/p>\n<p>Yves verzog das Gesicht und dr\u00fcckte einen Knopf auf dem Ohrstecker.<\/p>\n<p>\u201eSprachanalyse wird vorbereitet\u201c, meldete das System. \u201eDeutschinstallation l\u00e4uft.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGrist fu ein Ork oder so?\u201c, fragte das \u00c4ffchen.<\/p>\n<p>\u201eNee, wie kommst du denn blo\u00df darauf\u201c, antwortete Yves in bestem Deutsch. Er wandte sich in die Richtung, die das Navigationssystem wies.<\/p>\n<p>3:12, 3:11 \u2026 z\u00e4hlte das Display.<\/p>\n<p>\u201eKommst du aus Mittelerde?\u201c, die Nervens\u00e4ge tapste hinter ihm her. \u201eEher aus World of Warcraft, was? Und seit wann haben Orks PDAs?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr lebt ja auch nicht mehr im Mittelalter, oder?\u201c<\/p>\n<p>\u201eKrass, Mann! Und was machst du hier so?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHimmel Sakra und Sarons Unterhosen!\u201c, schimpfte Yves. \u201eNoch ein Wort und ich stecke dich kopf\u00fcber in die M\u00fclltonne, verstanden?\u201c<\/p>\n<p>Das \u00c4ffchen stie\u00df ein ersticktes \u201eJo, Mann. Schon klar, Mann\u201c aus.<\/p>\n<p>Yves nickte zufrieden. Mitunter war das schlechte Image seines Volkes doch f\u00fcr was gut.<\/p>\n<p>2:19, 2:18, 2:17 \u2026<\/p>\n<p>In seiner Erinnerung begannen vertraute Gesichter bereits zu verblassen, verloren Namen. Panik stieg in ihm hoch und er rannte noch schneller, stie\u00df die im Weg stehenden Primaten zur Seite. Sein Sprachsystem schien noch in der Beta-Version zu sein, denn obwohl die Affen offensichtlich \u00e4rgerlich reagierten, sprachen viele ziemlich oft von seiner Mutter.<\/p>\n<p>0:15, 0:14 \u2026<\/p>\n<p>Yves blieb stehen. Sein Herz schlug bis zum Hals. Auch, wenn Lori ihn nicht h\u00f6ren konnte, rief er \u201eBitte! Vergiss mich nicht.\u201c<\/p>\n<p>0:02, 0:01, 0:00<\/p>\n<p>\u201eLori\u201c, sprach er den Namen aus, der ihm nichts mehr bedeutete.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der n\u00e4chsten f\u00fcnf Minuten, in denen Yves ziellos durch den Park irrte, wurden ihm zwei Dinge bewusst: Sein Gesicht erschreckte kleine Kinder und er hatte kein Geld f\u00fcr ein Eis.<\/p>\n<p>Abwesend schlenderte er an einer Baustelle vorbei. Das Gef\u00fchl, etwas Wichtiges verloren zu haben, lie\u00df ihn nicht los.<\/p>\n<p>Yves spazierte durch die B\u00f6gen des Rosengartens. Schlie\u00dflich setzte er sich auf eine Bank und wandte sein struppiges Gesicht der Sonne zu, die sich daraufhin schnell hinter eine Wolke verdr\u00fcckte.<\/p>\n<p>\u201eSag mal, welchen Teil von Hau Ab hast du nicht verstanden?\u201c, h\u00f6rte er pl\u00f6tzlich jemanden fragen.<\/p>\n<p>Zwischen all den Rosen stand eine Frau mit kirschbl\u00fctenfarbenem Haar. Vor ihr kroch ein Milchbubi auf den Knien, schluchzte und wedelte in der Luft mit dem Beziehungsratgeber \u201eWarum Kobolde nie zuh\u00f6ren und Elfen mit ihren Pflanzen reden\u201c.<\/p>\n<p>\u201eAber Lori! Du musst mich lieben! Hier steht es schwarz auf wei\u00df. Zwei wie wir sind f\u00fcreinander geschaffen!\u201c<\/p>\n<p>Yves schritt auf den Kerl zu. H\u00f6flich tippte er ihm auf die Schulter:<\/p>\n<p>\u201eMonsieur? Die Dame hat Sie gebeten, zu gehen.\u201c<\/p>\n<p>Narziss sprang auf. Wie ein kleines, bockiges Kind traktierte er die Brust des Orkes mit den F\u00e4usten.<\/p>\n<p>\u201eSie geh\u00f6rt mir, h\u00f6rst du? Geh weg! Verschwinde!\u201c<\/p>\n<p>Yves verzog das Gesicht. Das Gekreische bescherte ihm Kopfschmerzen und ein ganz merkw\u00fcrdiges D\u00e9j\u00e0-vu Gef\u00fchl. Ohne lange zu \u00fcberlegen packte er den Kerl am Kragen und warf ihn in die Rosenb\u00fcsche. Der Bursche landete mit dem Po in den Dornen und sein Kopf stie\u00df gegen einen Stein.<\/p>\n<p>Regungslos blieb der Kerl liegen, dann st\u00f6hnte er, setzte sich auf und rieb sich die Beule am Hinterkopf.<\/p>\n<p>\u201eWo bin ich? Wer \u2026\u00a0 wer bin ich?\u201c, stammelte er, denn gegen eine mittelschwere Gehirnersch\u00fctterung konnte nicht mal der G\u00fcrtel von Orion helfen. Verwirrt blickte der Sch\u00f6nling in eine Pf\u00fctze und ein L\u00e4cheln erhellte sein Gesicht.<\/p>\n<p>\u201eOohh, wer bist du denn, mein Schatz? Willst du mit mir gehen?\u201c<\/p>\n<p>Erleichtert blickte Lori zu ihrem Retter auf. \u201eDer hat vielleicht genervt!\u201c<\/p>\n<p>Yves schaute ihr in die Augen und hatte den Eindruck, in einem Lavendelmeer zu versinken. Es knisterte \u2013 jemand auf der Baustelle warf das Schwei\u00dfger\u00e4t an. Von der B\u00fchne in der N\u00e4he erschallten E-Gitarren und Schlagzeug.<\/p>\n<p>Yves hielt Loris Hand. Sie sahen einander stumm an und l\u00e4chelten.<\/p>\n<p>Es lag Magie in der Luft.<\/p>\n<p>Magie &#8211; und Heavy Metal.<\/p>\n<p>(c) by <a href=\"https:\/\/www.olgakrouk.de\">Olga A. Krouk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Kurzgeschichte von Olga A. Krouk Yves de la Chevallerie hatte vor niemandem Angst. 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