Hans Peter Roentgen ist Diplominformatiker und hat lange in der Computerbranche gearbeitet. Seit über zwanzig Jahren beteiligt er sich an Schreibseminaren und Diskussionsforen. Beim größten deutschen Autorennewsletter „The Tempest“ war er von Anfang an als Redakteur dabei. Viele Jahre arbeitete er regelmäßig in den wöchentlichen Textkritiken der Autorengruppe 42er und in den Textdiskussionen des Literaturforums Südwest mit.

 

Kurzvita 

Hans Peter Roentgen coacht Autoren, moderiert die Romanwerkstatt von www.Textkraft.de und lektoriert und beurteilt dort die ersten vier Seiten zahlreicher Autoren. Im „Tempest“ interviewt er Autoren, Lektoren und Literaturagenten, darunter Andreas Eschbach, Juli Zeh und Sol Stein, und bespricht die ersten vier Seiten und Exposés von Lesern. Er ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS), dem Syndikat (Verband deutschsprachiger Krimischriftsteller) und dem Autorenforum Montsegur. Mit seiner Frau wohnt er hoch über den Dächern Freiburgs.

Homepage: www.hproentgen.de.

Interview 

Hans Peter, mit „Vier Seiten für ein Halleluja“ und „Drei Seiten für ein Exposé“ hast du zwei sehr erfolgreiche Schreibratgeber veröffentlicht. Wie bist du dazu gekommen, Sachbücher für Autoren zu schreiben? 

Ich hatte in Amerika im Writers Digest die Textklinik kennengelernt, in der die ersten Seiten von unveröffentlichten Manuskripten kritisiert und verbessert wurden. Aber kein Autorenratgeber hat diese Methode benutzt. Ich habe dann im Autorennewsletter Tempest so eine Kolumne begonnen. Ursprünglich war geplant, dass dort verschiedene Lektoren die Texte besprechen und korrigieren sollten. Doch das scheiterte daran, dass sich nur wenige Lektoren dazu bereit erklärten. Vor zehn Jahren schreckten noch viele in Deutschland davor zurück, Autorenratgeber wurden sehr misstrauisch beäugt und dass Schreiben nicht nur vom Talent abhängt, sondern auch Handwerk ist, das man lernen kann und muss, das wurde von vielen bezweifelt. Irgendwann wurde mir klar: Entweder mache ich das oder es macht keiner. Die Kolumnen von mir fanden dann sehr viel Zuspruch und viele Autoren haben mir ihre ersten Seiten, später ihre Exposés zugeschickt. Daraus entstanden dann die beiden ersten Ratgeber "Vier Seiten für ein Halleluja" und "Drei Seiten für ein Exposé. 

Nun ist dein Buch „Schreiben ist nichts für Feiglinge: Buchmarkt für Anfänger“ erschienen. An wen richtet es sich konkret? 

An unveröffentlichte Autoren. Vor allem natürlich an solche, die die Veröffentlichung in einem Verlag anstreben. Ich wollte keinen Ratgeber "Wie werde ich Bestsellerautor" schreiben, sondern einfach erzählen, wie andere deutsche Autoren zum Verlagsvertrag gekommen sind. Viele Jungautoren haben sehr abenteuerliche Vorstellungen, die sind enttäuscht, wenn der erste Roman keinen Verlag findet. Aber wissen nicht, dass das völlig normal ist und dass es beim Schreiben nicht anders ist als beim Reiten oder Malen auch: Je öfter man es tut, desto besser kann man es. Sieben bis fünfzehn Jahre, die es meist bis zum Verlagsvertrag dauert, sind keine verlorenen Jahre, sondern eine Zeit, in der man dazulernt. Ich wollte zeigen, wie es in Verlagen zugeht, wie der Buchmarkt strukturiert ist und vieles mehr. 

Machst du dabei Unterschiede zwischen Unterhaltungsautoren, Sachbuch-Autoren, "literarischen" Autoren? Oder würdest du sagen, dass dein Buch für jeden - noch unveröffentlichten - Autor geeignet ist? 

Sachbuch ist noch einmal ein ganz eigener Markt, der sich schon sehr von dem der Romane und Geschichten unterscheidet. Aber für Unterhaltungsliteratur wie für literarische Projekte ist das Buch sicherlich geeignet. So unterschiedlich ist da der Markt nicht. Dass die Midlist, die Bücher also, die nicht die Nummer Eins der Verlage sind, in den letzten Jahren immer mehr zurückgegangen ist, gilt für Unterhaltungsliteratur wie für literarische Werke. 

Andererseits sind einige Aspekte im literarischen und Unterhaltungssegment durchaus unterschiedlich gewichtet: Vorschüsse, Auflagenzahlen und die Zeit, in der sich das Buch auf dem Markt bewähren soll, sind nicht unbedingt zu vergleichen … 

Einige Aspekte sind tatsächlich unterschiedlich, aber nicht so sehr, wie viele glauben. Günther Grass verkauft sicher nicht so viele Bücher wie Stephen King, aber beide verkaufen weit mehr als der durchschnittliche Unterhaltungsautor oder der durchschnittliche literarische Autor. Literarische Werke erreichen oft nur vierstellige Verkaufszahlen. Dafür erscheinen sie meist als Hardcover, so dass der Autor pro Werk mehr Honorar bekommt. Und heute erzielen auch viele Krimiautoren nur mehr vierstellige Auflagen. Was sicher ein Unterschied ist, ist die Umschlagszeit. Unterhaltungsliteratur muss sich in den ersten drei bis sechs Monaten durchgesetzt haben, danach kommt die nächste Welle von Büchern. Literarische Werke haben ein bisschen mehr Zeit, allerdings verkürzt sich die Umschlagszeit in beiden Bereichen. Und die Vorschüsse sind bei Unterhaltungsliteratur, die hohe Auflagen verspricht, erheblich höher - auch das aber gilt nur für die Bücher, die Bestsellerqualitäten haben. Generell fallen im Moment die Vorschüsse und zwar in beiden Bereichen.

Literarische Autoren schielen oft neidisch auf die angeblich hohen Auflagen und Honorare der Unterhaltungsliteratur und die Unterhaltungsautoren auf die scheinbar große öffentliche Bedeutung der Literaten. Das Gras auf der anderen Seite des Zaunes ist eben immer grüner. Oft macht man sich da aber übertriebene Vorstellungen. 

Die E und U-Autoren sind neidisch aufeinander? Ist das tatsächlich so? 

Vor einigen Jahren berichtete ein Agent bei Montsegur über einen sehr erfolgreichen Unterhaltungsautor, der sich immer wieder beklagte, dass die Zeitungen nur Grass & Co wahrnehmen würden (der zitierte Autor war damals schon tot). Auch andere Unterhaltungsautoren hätten gerne die Weihen "ernstere Romane" zu schreiben, das klingt immer wieder in Interviews durch. Umgekehrtes sieht man jetzt gerade bei den Diskussionen um den neuen Dan Brown. Die gehen nicht nur darum, ob das Buch nun was taugt oder nicht. Da beobachte ich bei Facebook und anderswo immer wieder so Aussagen literarischer Autoren wie: "Das ist schnell heruntergeschriebener Schrott für Dummköpfe, das kann ja jeder". Warum das dann nicht jeder tut, das wird nicht verraten. Natürlich reagieren nicht alle Autoren so, es gibt zum Glück genügend, die der jeweilig anderen Gruppe zugestehen können, dass sie eben was anderes macht und dass es auch dort Könner des Fachs gibt. 

Im Blitz-Interview für das Literaturstudio (http://www.youtube.com/user/elfirina) hast du erzählt, dass dein Wissen auf vielen Gesprächen mit erfolgreichen Autoren, Agenten und Verlegern beruht. Im letzten Jahr ist dein Krimi „Der Plotter“ erschienen. Erzähl uns bitte über deine praktischen Erfahrungen rund ums Veröffentlichen. 

Der Krimi, das waren gar nicht so viele neue Erfahrungen. Da hatte ich bereits die beiden anderen Bücher veröffentlicht, hatte viele Autoren, Lektoren und Agenten interviewt, im Montsegurforum viele Beiträge verfolgt. Die überraschendsten Erfahrungen brachte die Veröffentlichung der "Vier Seiten für ein Halleluja". Autorenratgeber sind in Deutschland ein Nischenmarkt, den bedienen nur zwei, drei Verlage. Und die waren sehr skeptisch, ob man von meinem Buch überhaupt tausend Stück verkaufen könnte, obwohl sie inhaltlich durchaus interessiert waren. Ein sehr kleiner Verlag hat es dann herausgebracht, mit einem engagierten, aber auch chaotischem Verleger. Später habe ich mit dem Sieben Verlag dann einen kompetenten Verlag gefunden - und die "Vier Seiten" verkaufen jetzt, nach über sechs Jahren, immer noch jedes Jahr vierstellige Stückzahlen. Das ist für Autorenratgeber sehr, sehr gut. 

Dabei wären gerade deine Erfahrungen mit dem Krimi interessant, da es sich hier um ein gängiges Genre handelt, während dein Sachbuch - wie du es selbst sagst - ein Nischenwerk war. 

Krimis, das habe ich bald gemerkt, werden heute vor allem als Regio-krimis vermarktet. Für Verlage hat das den Vorteil, dass sie schon mal eine Basis für den Verkauf haben und der Buchhandel zumindest in dem betreffenden Ort und seiner Umgebung die Bücher ins Regal stellt. Sonst haben kleinere und oft auch mittlere Verlage Probleme, überhaupt in den Buchhandel zu kommen. Autoren sehen den Stempel "Regiokrimi" eher ungern, vor allem, wenn sie literarische Ambitionen haben. Aber wie ein Krimi-Verleger sagte: "Wollen Sie 2.000 Stück mit einem überregionalem Krimi verkaufen oder 7.000 mit einem Regiokrimi?" Wenn der Roman gut ist, besteht ja immer noch die Möglichkeit, ihn auch überregional anzubieten. Im Allgäu werden auch Ostfriesenromane gelesen und in Ostfriesland Kluftinger.

Natürlich sind Regiokrimis die Nachfolger der Heimatromane und welcher Autor will Heimatromane schreiben? Dabei vergessen viele, dass schon beim Heimatroman die Spannbreite enorm war, vom Heile-Welt-Krimi mit Kuhglocken bis zu Oskar Maria Graf und Ludwig Thoma. Auch Wolf Haas mit seinen Brenner Krimis ist ja eindeutig in einer Stadt verortet. Was manchmal auch von Vorteil ist, wenn sich Autoren mit ihren Geschichten auf eine Stadt festlegen, die sie gut kennen. Wenn sie die Atmosphäre einer Stadt, einer Region einfangen können, tut das dem Buch nur gut.

Was mir beim Lektorat, aber auch bei Rückmeldungen von Lesern auffiel, war die Diskussion um die Umgangssprache im Roman. Manche mögen das überhaupt nicht und natürlich ist die Umgangssprache im Roman, wenn nicht bewusst eingesetzt, meist ein Fehler. Andererseits gibt es umgangssprachliche Wendungen, die einfach treffender, lebendiger sind, als Schriftsprache. Ich greife immer wieder zu solchen Wendungen, weiß aber, dass das nicht jedermanns Sache ist. Im Lektorat wurde mir klar, dass ich das manchmal übertreibe - aber es gab Wendungen, auf die wollte ich keinesfalls verzichten. Manchmal ist es von Vorteil, wenn Autor und Lektor unterschiedliche Geschmäcker haben, weil dann erst bestimmte Probleme richtig deutlich werden. 

Rückmeldungen von Lesern sind immer sehr spannend. Wie fielen die Reaktionen auf deine Bücher aus? 

Als ich den Krimi herausgebracht habe, haben mich auch entfernte bekannte mit großen Augen darauf angesprochen. Ganz offenbar ist "einen Roman im Verlag veröffentlichen" für viele immer noch etwas ganz besonderes, das hat mich schon sehr überrascht.

Überregional bist du natürlich nur einer von tausenden von Krimiautoren, es sei denn, dir gelingen so Ausnahmewerke wie Sebastian Fitzek oder Andreas Eschbach. Da hat mich eher überrascht, wie viele Autoren und Lektoren mich auf mein Exposé-Buch angesprochen haben.

Womit wir wieder beim Thema Mainstream und Nischenbuch wären ... 

Ja, das Thema Mainstream verfolgt viele Autoren. Wie lautet hier dein Ratschlag nach dem Ausflug in das Unterhaltungsgenre? 

Zu schauen, welche der eigenen Texte besonders viele Leser finden, was man besonders gut kann. Alle jagen dem "großen literarischen Roman" nach oder dem Unterhaltungs-Bestseller. Dort ist die Konkurrenz groß. Aber es gibt eine Menge anderer Möglichkeiten und wenn man feststellt, dass die eigenen Texte dort mehr Leser finden, dann sollte man die Chance nutzen.

Besser einen gut geschriebenen Heftchenroman, als ein mittelmäßiges literarisches Werk, von dem es schon tausende andere im gleichen Stil gibt.

Ich habe in den letzten zehn Jahren eine ganze Menge von Autoren, Agenten und Verlegern interviewt oder war bei denen in Schreibwerkstätten. Was fast noch wichtiger ist, sind die zahlreichen Kollegen, die ich in Seminaren, Werkstätten, Foren kennengelernt habe, die damals alle unveröffentlicht waren und mittlerweile haben viele dann doch Verlage gefunden, einige sehr erfolgreich veröffentlicht. Das war schon erstaunlich, widerspricht ja auch der Behauptung, die sich oft in Foren, manchmal sogar im Feuilleton finden, dass Verlage keine neuen Autoren veröffentlichen würden. Das ist Quatsch, aber genauso unsinnig ist die Erwartung, schnell mit dem ersten Werk einen Verlag zu finden. 

Du erwähnst das Feuilleton, welche Bedeutung hat es für Autoren? 

Für literarische Autoren ist es ganz wichtig. Wer sich als literarischer Autor etablieren will, muss dort präsent sein. Für die Unterhaltungsliteratur hat das Feuilleton so gut wie gar keine Bedeutung. Feuilletons besprechen nur die Genre-literatur, die es in die Bestsellerlisten geschafft hat und oft nach fragwürdigen Kriterien.

Leser orientieren sich da viel eher an Ratschlägen von Freunden, an Internetrezensionen oder dem, was in der Buchhandlung in den Grabbeltischen liegt. Eine Ausnahme ist die Krimizeit-Bestenliste. Die ist vor allem für Kleinverlage enorm wichtig, ohne die wären viele Nischen-Krimis gar nicht wahrgenommen worden. 

„Fragwürdige Kriterien“ für die Unterhaltungsliteratur - das hört sich erst einmal nicht so gut an. Und welche Kriterien gelten da für literarische Romane? 

Man muss dazu gehören. Der literarische Bereich ist klein, jeder kennt jeden. Das Feuilleton hat natürlich einen sehr viel höheren intellektuellen Anspruch an Bücher, als etwa der Durchschnittsleser, auch der Anspruch an Sprache und Stil sind weit höher. Im Thriller kann man auch mit mäßigem Stil einen Erfolg landen, wenn die Geschichte spannend ist. Aber das Feuilleton wird das nicht akzeptieren. Dafür kann man im literarischen Bereich mit toller Sprache auch einen mäßigen Plot kaschieren.

Die Kriterien wechseln da natürlich auch, ich kann keine Kriterien nennen, so nach dem Motto: Wenn dein Werk diese und jene Regeln beachtet, wirst du von allen großen Zeitungen besprochen und bejubelt werden. Die Bandbreite ist im Feuilleton größer, da kann man auch mit ungewöhnlichen Büchern wahrgenommen werden. Literarische Preise, Empfehlungen von Kollegen, auch der Verlag ist wichtig. Ein Werk von Suhrkamp wird wahrgenommen werden, eins von Bastei-Lübbe müsste schon ganz, ganz außerordentlich sein. Die alte Feindschaft zwischen E- und U-Literatur.

Vor allem sollte ein literarischer Autor das Feuilleton kennen, sprich: Es auch lesen. Das gilt aber generell: Jeder Autor muss das Genre kennen, in dem er schreibt. Wer nur Westernhefte liest, wird keinen großen literarischen Roman landen, wer keine Krimis liest, weil er sie als "unliterarisch" verabscheut, wird keinen schreiben können. 

In deinem Ratgeber stellst du das Feuilleton gegen Internetrezensionen auf. Lass uns über die letzte Kategorie sprechen. Wie viel Wirkung haben die Internetrezensionen tatsächlich? 

Das ist völlig unterschiedlich, es gibt Rezensionen, die interessieren niemanden und bewirken gar nichts. Mancher tippt den Klappentext ab und schreibt dann dazu, "Superspannend" oder "Furchtbar schlecht". Und es gibt sogar Fälle, da haben Blogger andere Blogger einfach plagiiert.

Aber es gibt auch Foren und Blogger, die viel gelesen werden und sich einen Ruf erschrieben haben. Meist macht es aber nicht ein einzelner Blogger, ein einzelnes Forum. Sondern mehrere Blogger entdecken ein Buch, dadurch wird Aufmerksamkeit generiert, andere Blogger besprechen das Buch auch und dann zieht es Kreise und "normale" Leser interessieren sich ebenfalls für das Buch.

Das ist beim Feuilleton auch nicht anders. Eine Rezension in einer überregionalen Zeitung bewirkt wenig. Erst wenn auch andere Rezensenten aufmerksam werden, das Buch überall besprochen wird, schlägt das auf die Verkaufszahlen durch. 

Zu oft liest man über Blogs, die nur Bücher abgreifen wollen; oder darüber, dass Blogger nur andere Blogger auf die Bücher neugierig machen, die dann versuchen, ebenfalls Rezensionsexemplare bei einem Verlag zu bekommen. Da bekommt man das Gefühl, dass kaum noch etwas gekauft wird. 

Das wird immer mehr zum Problem. Früher waren die Verlage noch sehr zögerlich gegenüber Internet-Rezensionen. Noch vor etwa acht Jahren hatte mir ein sehr angesehener Verlag gemailt, dass er prinzipiell keine Rezensionsexemplare an Internetforen abgibt. Heute habe ich immer mehr das Gefühl, dass da mit der Gießkanne überall verteilt wird. Ob das immer was nützt? Das ist dann die Frage. Wenn ein Verlag aber eine gut sortierte Auswahl von Bloggern und Foren an der Hand hat, denen gezielt Bücher vorgeschlagen werden, kann das sehr viel bringen. 

Vor allem, wenn wir dann an Erfolgsgeschichten wie von Nele Neuhaus oder Carina Bartsch denken ... 

Ganz ohne Zweifel hat das Internet da weitere Möglichkeiten geschaffen, dass Bücher mehr Aufmerksamkeit bekommen. Bei Nele Neuhaus allerdings war der Erfolg mehr durch klassische Methoden erreicht worden, soweit ich weiß. Sie hat es in Buchhandlungen in Frankfurt und Umgebung verteilt, hat unheimliche Energie und viel Zeit dort investiert und damit Erfolg gehabt. Womit wir wieder beim Thema Regionalkrimis angelangt sind.

Carla Berlings Buch "Vom Kämpfen und vom Schreiben" ist eindeutig durch das Internet bekannt werden. In beiden Fällen sollte man aber nicht vergessen, dass es vor allem auch die Qualität der Texte war, die den Erfolg erst möglich machte. 

Neben dem Feuilleton und Internetrezensionen gibt es jede Menge Magazine, die den Bereich dazwischen abdecken. Zu nennen wären da zum Beispiel "Love Letter", DIE Zeitschrift für den Liebesroman, oder "Nautilus - Abenteuer und Phantastik" im Fantasy-Genre. Beides auflagestarke Magazine. In deinem Ratgeber kommst du auf diese Sparte nicht zu sprechen. Warum? 

Im Prinzip ist der Unterschied zwischen Magazinen im Internet und im Print gering. Solche Zeitschriften gibt es für nahezu alle Genres, sie sind wichtig, das habe ich auch gesagt. Ich habe vor allem die im Internet hervorgehoben. Die meisten solcher Magazine findet man heute als Newsletter und/oder Internetseite. Früher waren die meisten Printmagazine. Davon gibt es immer noch einige und manchmal werden auch neue gegründet.

Solche Magazine sind ungeheuer wichtig, gerade für neue Autoren. Aber ob sie als Print vorliegen, wie Nautilus, oder als Internetmagazin, wie Crimemag, das macht nicht den großen Unterschied aus. 

In deinem Buch erwähnst du die Wichtigkeit von Buchpreisen und Wettbewerben, aber Stipendien lässt du vollständig aus. Warum? Sind sie für Autoren nicht weiter relevant? 

Doch, sie sind sehr relevant, vor allem im literarischen Bereich. Sie funktionieren aber wie Wettbewerbe. Autoren können sich mit Texten bewerben und wenn sie ein Stipendium gewinnen, ist das ein wichtiger Schritt. Du hast aber recht, ich hätte sie extra erwähnen sollen. 

Immer öfter hört man von Autorenvereinigungen wie DeLiA, Mörderische Schwestern, Verband deutscher Schriftsteller und weitere. In deinem Ratgeber hast du dieses Thema ausgelassen. Haben diese Vereinigungen nur wenig Bedeutung für einen Autor? Wie ist deine Sicht  auf all die Verbände und Vereinigungen? 

Der Verband deutscher Schriftsteller findet sich auf Seite 195 [Anm. siehe „Lexikon der Fachbegriffe“] Aber du hast recht, ich habe ihn nicht ausführlicher vorgestellt und auch die zahlreichen anderen Verbände nicht. Zum einen sind Delia, Syndikat, VS nur für veröffentlichte Schriftsteller und werden erst dann wichtig, wenn man bereits einen Verlag gefunden hat.

Zum anderen könnte ich mit Zeitschriften, Newsletter, Autorenvereinigungen und manch anderem leicht zwei weitere Bücher füllen. Eine Leserin hat sich auch eine Liste der empfehlenswerten Literaturagenturen gewünscht. Das würde dann zum Nachschlagewerk und da gibt es bereits zwei von Uschtrin und dem Autorenhaus. Man kann nicht alles bringen. Bei einem Einführungsbuch muss man sich beschränken.

Zeitschriften, Newsletter und Autorengruppen sind aber für die Vernetzung, für die Weiterentwicklung und den Erfolg eines Autors ganz wesentlich. Dass ich also manches nicht gebracht habe, heißt nicht, dass es unwichtig ist, sondern nur, dass ich auswählen musste, was ich schreibe und was nicht. 

Es hört sich an, als gäbe es da noch viel Stoff für weitere Sachbücher. Womit können wir als nächstes rechnen? 

Nein, ich werde keine Folgebände zu dem "Schreiben ist nichts für Feiglinge" schreiben. Ja, es gibt aber andere Pläne und da sitze ich dran.

Vielen Dank für das Interview!

Das Gespräch führte Olga A. Krouk ( www.olgakrouk.de )
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