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Interview mit Christoph Lode

Christoph Lode ist nicht nur ein interessanter, vielseitiger Autor, sondern auch ein wunderbarer Mensch und ein sehr geschätzter Kollege. Mitte September 2011 erscheint der letzte Teil seiner Fantasy-Trilogie "Pandaemonia": Phoenixfeuer

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Kurzvita

Christoph Lode, geboren 1977, ist in Hochspeyer bei Kaiserslautern aufgewachsen und lebt heute mit seiner Frau in Mannheim. Er studierte in Ludwigshafen am Rhein und arbeitete in einer psychiatrischen Klinik bei Heidelberg. Heute widmet er sich ganz dem Schreiben.
Mehr über ihn auf seiner Homepage: www.christoph-lode.de

Interview

Hallo, Christoph. In den letzten Monaten wurden die Leser vermehrt mit den Titeln aus dem Steampunk-Genre konfrontiert. Auch deine Trilogie geht in diese Richtung. Wie definierst du für dich den Begriff "Steampunk"?

Klassischer Steampunk ist in einem alternativen viktorianischen England angesiedelt, in dem die Geschichte anders abgebogen ist: Die Technik der Dampfkraft wurde weiterentwickelt und spielt eine viel größere Rolle als in der historischen Realität; es gibt dampfbetriebene Roboter, Luftschiffe, künstliche Gliedmaßen und Rechenmaschinen. Folglich gehört zu einer Steampunk-Geschichte ein viktorianischen Setting mit Gehröcken, Opium und allem drum und dran, und die Leute hantieren ständig mit obskuren Geräten und Maschinen. Oliver Plaschkas Roman „Der Kristallpalast“ ist ein gutes Beispiel für einen typischen Steampunk-Roman.

Was zeichnet den modernen Steampunk deiner Meinung nach aus?

Steampunk ist in Deutschland noch ein recht neues Genre, das gerade entdeckt wird. Insofern kann man noch nicht sagen, wohin es sich entwickelt. Wenn es nicht bei einer Modeerscheinung bleibt, sondern sich dauerhaft in Deutschland etabliert, wird es sich vermutlich wie jedes phantastische Subgenre verzweigen: Autoren werden damit experimentieren, eigene Wege gehen und der „reinen Lehre“ neue Elemente hinzufügen.

Besonders in der letzten Zeit haben viele Verlage ihre Leser mit mehreren Steampunk-Titeln überrascht. Was meinst du, warum diese Welle gerade jetzt kam?

Ich weiß nicht, ob man da wirklich von einer Welle sprechen kann. Einige Verlage mögen gerade Steampunk-Titel auf den Markt werfen, aber meines Wissens gab es noch keinen großen Bestseller, der das Genre mainstream-tauglich gemacht hat. Steampunk führt in Deutschland immer noch ein Nischendasein, was ich sehr schade finde, weil es eine spannende und stimmungsvolle Spielart der Phantastik ist. Dass die Verlage gerade damit experimentieren, liegt vermutlich daran, dass einige Steampunk-Romane im englischsprachigen Raum sehr erfolgreich waren und man hierzulande nach „Twilight“ und „Die Tribute von Panem“ nach dem neuen großen Ding sucht.

Was fasziniert dich an dem Genre ganz besonders? Warum wolltest du nach deinen historischen Romanen auf Steampunk umsteigen?

Ich wollte nach meinen historischen Romanen Fantasy schreiben, weil es das Genre ist, dem ich mich am meisten verbunden fühle. Meine ersten beiden historischen Romane haben ja auch ein starkes phantastisches Element. Dass die Wahl nicht auf High Fantasy, sondern auf Steampunk gefallen ist, liegt einfach daran, dass ich als Leser mit klassischer Fantasy á la Tolkien nicht mehr allzu viel anfangen kann. Ich wollte etwas Neues probieren.

Wie entstand deine Trilogie „Pandaemonia“? Kam die Idee von dir selbst, oder wurdest du vom Verlag dazu animiert, etwas in die Richtung "Steampunk" zu schreiben?

Die Pandaemonia-Trilogie hat sich in der Konzept- und Planungsphase mehrmals stark verändert. Ich hatte ein paar Ideen für eine Geschichte und habe lange überlegt, welches Setting am besten dafür geeignet ist. Zuerst hatte ich eine Welt ausgearbeitet, die an die italienische Renaissance angelehnt war, aber mit der Zeit ist mir klargeworden, dass ein Hintergrund, der auf dem irdischen 19. Jahrhundert basiert, besser zu meiner Geschichte passt. Vom Verlag kamen nur wenige Vorgaben, man hat mich einfach machen lassen.

Welche Steampunk-Motive hast du in deine Trilogie eingebaut? Wodurch unterscheidet sich deine Reihe von den "typischen" Steampunk-Titeln?

Zunächst einmal muss ich sagen, dass die Trilogie kein richtiger Steampunk ist – allein schon deswegen, weil die gesamte Technik, die in den Romanen vorkommt, nicht auf Dampf basiert, sondern auf der Substanz Aether. Aber davon abgesehen fühlt sich die Geschichte schon sehr wie Steampunk an: Die Stadt Bradost, der wichtigste Schauplatz, erinnert stark an das frühviktorianische London; an jeder Ecke stößt man auf bizarre Maschinen und alchemistische Apparate; und Luftschiffe spielen eine nicht unwichtige Rolle. Die Unterschiede zum klassischen Steampunk dürften vorallem in den Fantasyelementen liegen. Alben, Harpyien und andere Schattenwesen treten auf, und manche Menschen verfügen über übernatürliche Kräfte, wenngleich die Magie bereits weitgehend aus der Welt verschwunden ist. Außerdem ist die Geschichte nicht in England angesiedelt, sondern in einer fiktiven Welt.

„Pandaemonia“ soll eine Trilogie sein. Wie hängen die drei Bücher zusammen?

Die Bücher bilden eine zusammenhängende und fortlaufende Geschichte. Zwischen Band 1 und 2 vergehen ungefähr 12 Stunden und zwischen Band 2 und 3 nicht einmal dreißig Sekunden. Trotzdem hat natürlich jedes einzelne Buch einen eigenen Spannungsbogen mit Einleitung, Mittelteil und Höhepunkt.

Was steht für dich mehr im Vordergrund: Handlung oder Charaktere?

Handlung und Figuren bedingen sich in meinen Romanen gegenseitig. Die Charaktereigenschaften und Entscheidungen der Figuren beeinflussen die Handlung, und die Handlung wiederum gibt vor, welche Figuren ich für meine Geschichte brauche. Wenn ich, wie bei Pandamonia, eine Geschichte erzählen will, die in einer Stadt spielt, in der Überwachung und Unterdrückung herrschen, wähle ich Figuren, die davon persönlich betroffen sind. Die Eigenschaften, die ich ihnen verleihe, bestimmen dann, wie sie mit ihrer Situation umgehen. Aus diesem Zusammenspiel entsteht der Plot.

Welche Rolle spielt für dich die Sprache/der Stil eines Romans?

Der Stil – also die Art, wie etwas erzählt wird – ist mir persönlich sehr wichtig, aber ich achte darauf, dass immer die Geschichte im Vordergrund steht, nie die Sprache. Ich vergleiche das manchmal mit dem Spiel des Bassisten in einem Rocksong: Er hat seinen Job gut gemacht, wenn man ihn nicht bemerkt. Der Leser soll vergessen, dass er gerade ein Buch in der Hand hält und liest – er soll in den Roman abtauchen. Das ist auch das stilistische Merkmal der Pandaemonia-Trilogie: eine einfache, flüssige Sprache, die immer im Dienst der Geschichte steht, klare Gedanken transportiert und starke Bilder schafft.
Sprachliche Experimente mache ich ständig, aber ich würde das nicht so nennen, weil es mir zu sehr nach schwerverdaulicher Lyrik klingt. Die Arbeit am Ausdruck heißt für mich, nach der besten und emotional packendsten Art zu suchen, eine Szene zu schildern; Aussagen klar auf den Punkt zu bringen; so lange an der wörtlichen Rede zu feilen, bis sie pointiert und lebensecht klingt; alles Kraftlose, Überflüssige und Verworrene zu streichen.

Historisches, Fantasy oder etwas ganz anderes: Wie siehst du deine Zukunft als Autor? Wo gehörst du hin?

Mein nächstes Projekt ist wieder ein Mittelalter-Roman, der sich allerdings stark von „Der Gesandte des Papstes“ und „Das Vermächtnis der Seherin“ unterscheidet. Was ich danach mache, weiß ich noch nicht. Möglicherweise wieder Phantastik, vielleicht aber auch etwas ganz anderes.

Vielen Dank für das Interview!
Das Gespräch führte Olga A. Krouk
Das Interview unterliegt dem Copyright. Die weitere Verbreitung ist nur mit der schriftlichen Zustimmung von Christoph Lode oder Olga A. Krouk erlaubt.

Buchvorstellung:

Niemals hätte Liam gedacht, dass sein Freund Jackon, der Traumwanderer, ihn verraten würde. Jetzt ist Liam ein Gefangener der Herrscherin von Bradost und sitzt fest. Dabei können sich Liam und seine Verbündeten keine Verzögerungen leisten. Die bösartige Lady Sarka hat bereits unzählige Menschen auf dem Gewissen und unendlich viele Träume manipuliert. Sie muss so schnell wie möglich gestoppt werden, bevor die ganze Welt zerbricht und die Finsternis das Land verseucht…

Christoph Lode
Phoenixfeuer: Pandaemonia III
Trade Paperback, 480 Seiten
ISBN: 978-3442471751
Goldmann-Verlag, 2011